Mittwoch, 22. Februar 2017

Rezension zu "Die Terranauten" von T.C. Boyle

Zum Buch


Zwei Jahre in einer anderen Welt...

Auf die junge Frau Dawn Chapman und sieben weitere Personen wartet ein besonderes Experiment mit einem ganz bestimmten Ziel: Ein Leben in einem komplett geschlossenen Ökosystem - einer ganz eigenen Welt. Um dieses zu simulieren, werden vier Frauen und vier Männer für zwei Jahre in ein riesiges Terrarium eingeschlossen - eine riesige Ökosphärenkuppel, die mitten in der Wüste von Arizona errichtet wurde. Niemand darf während dieser Zeit "Ecosphere 2" verlassen. Wissenschaftler beobachten jede noch so kleine Veränderung. Die Glaskuppel mit ihren acht Terranauten ist natürlich auch ein großes Medienereignis: Viele Touristen reisen an, Fernsehteams und Zeitungen berichten über das Geschehen - Wie verändert sich der Mensch in zwei Jahren Abgeschiedenheit? Missgunst und Rivalität, aber auch Liebe entsteht. Und so passiert etwas, womit niemand gerechnet hat: Dawn wird schwanger. Nun stellt sich die Frage: Ist das Experiment nun zum Scheitern verurteilt oder kann die ihr Kind in der geschlossenen Ökosphere zur Welt bringen?


"...und doch war es eher das Dröhnen der Stahltür, das metallische Einschnappen des Schlosses, das mich so aufwühlte, dass mir die Tränen kamen - Tränen der Freude und Erleichterung. Aber da war noch etwas anderes. Eine Beklommenheit, würde ich sagen.  Oder eine Ungewissheit, das trifft es vielleicht besser. Dies war wirklich eine neue Welt. Und jetzt war ich drinnen, und es gab keinen Weg zurück." (Dawn Chapman) - Seite 103


Auf dieses besondere Buch bin ich aufgrund des sehr interessanten Covers aufmerksam geworden. Der Astronaut mitten in einem Garten ist wirklich ein Hingucker. Nachdem ich dann den Klappentext gelesen habe, war meine Neugier schließlich geweckt. Die Story ist schnell erzählt: Acht Menschen (vier Frauen und vier Männer) lassen sich für zwei Jahre in eine riesige Glaskuppel einschließen und leben in ihrer eigenen Welt - nichts kommt rein, nichts geht raus - der Grundsatz. Natürlich läuft nicht alles nach Plan - weder drinnen noch draußen.
Was sofort auffällt, ist der besondere Schreibstil: Die Geschichte wird aus drei bestimmten Blickwinkeln erzählt. Im ersten Augenblick etwas gewöhnungsbedürftig, doch es passt sehr gut. Man erfährt nach und nach einige naturwissenschaftliche und technische Fakten; wie das Leben in der Kuppel funktioniert, wie alles aufgebaut ist und welche Aufgaben zu erfüllen sind. Dieses ist in einem guten Maß gehalten - es ist zwar alles ausführlich geschildert, aber nie zu ausufernd oder "technisch". Im Mittelpunkt stehen natürlich die Menschen - die acht Teilnehmer sind alle völlig unterschiedliche Charaktere. Man lernt sie nach und nach besser kennen - ihre positiven und negativen Eigenschaften, ihr Denken und Handeln, auch ihre psychischen oder physischen Veränderungen werden detailreich geschildert. Doch auch über die Menschen draußen erfährt man einiges. Denn nicht für alle hat sich der Wunsch des Terranauten erfüllt. Überraschend und manchmal auch etwas erschreckend war der Neid und die Missgunst, die des Öfteren eine Rolle spielen. Daher waren mir persönlich die Charaktere nicht immer sympathisch.

Sehr interessant ist auch, dass der Roman auf wahren Begebenheiten basiert, In den 1990er Jahren  hat es so ein Experiment tatsächlich in Arizona gegeben.


"An diesem Tag lernte ich etwas. Ich lernte zu unterscheiden. Und von da an wusste ich,  wer es ernst, wirklich ernst meinte, in guten wie in schlechten Zeiten, und wer bloß Trittbrettfahrer war." (Ramsay Roothoorp) -Seite 234


Mein Fazit:  Ein gelungener Roman mit einer sehr interessanten Handlung!  Es ist unheimlich spannend zu verfolgen, wie es den acht Teilnehmern in dem Terrarium ergeht - man erfährt alles: Ihre Gefühlszustände, ihr Handeln und Denken. Die Geschichte ist eher ruhig, aber auf eine bestimmte Art sehr packend. Es gibt einige interessante Entwicklungen, sowohl drinnen als auch draußen. Der Schreibstil ist speziell, aber sehr gut gewählt.
Was ich jedoch immer wieder etwas verwirrend fand, waren die Namen. Es gibt einen ständigen Wechsel zwischen den richtigen Vornamen, Spitznamen und Abkürzungen der Spitznamen. Hier wäre weniger mehr gewesen. Die Charaktere hätten vielleicht noch etwas sympathischer gestaltet werden können.
Doch diese kleinen Kritikpunkte sollte einem nicht vom Lesen abhalten. Es ist ein wirklich lesenswertes Buch, dass ich gern weiterempfehle.

Meine Bewertung: 





Titel: Die Terranauten
Autor: T.C. Boyle
Genre: Roman
Seitenanzahl: 608
Verlag: Hanser

Vielen Dank an die Hanser Literaturverlage für das Rezensionsexemplar! :)

1 Kommentar:

  1. Hi Nicole,

    ich bin scho öfters auf dieses Buch gestoßen, aber irgendwie kam nie großes Interesse auf: ich dachte immer, es sei reine Science Fiction und da das überhaupt nicht mein Genre ist (nur bei Büchern), habe ich mich nicht weiter damit beschäftigt. Aber jetzt nach deiner Rezension werde ich vielleicht dem Buch eine Chance geben, denn das klingt alles in allem nach einer wirklich außergewöhnlichen Geschichte :)

    LG Julia

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