Samstag, 19. August 2017

Rezension zu "Die goldene Stadt" von Sabrina Janesch

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Die abenteuerliche Suche nach der goldenen Stadt

Peru im 19. Jahrhundert: Seit seiner Kindheit hat der Deutsche Augusto R. Berns einen Traum: Er möchte die sagenumwobene Inkastadt Machu Picchu finden. Als junger Erwachsener wagt er schließlich die Überfahrt nach Peru, wo er ihn erst die Schrecken des Spanisch-Südamerikanischen Krieges erwarten. Nach einer schweren Zeit wird Berns schließlich Ingenieur bei der Eisenbahn, wo er vielversprechende Informationen für seine Expedition sammelt. Eines Tages ist es schließlich soweit: Zusammen mit dem Amerikaner Harry Singer macht er sich auf den Weg in den tiefsten Dschungel, mit der großen Hoffnung, die verlorene Stadt der Inka zu finden - El Dorado. Doch was wird nach dieser phantastischen Entdeckung geschehen? Das gesamte Leben von Augusto Berns hält viele Überraschungen bereit...


"Viel passte nicht hinein in eine Seekiste, das wusste Rudolph, aber die Aufnahmefähigkeit seines Kopfes schien unbegrenzt. Eines jedenfalls hatte er begriffen: Man durfte sich keine Zeit lassen. All das Gute, was einem widerfuhr, war nichts als eine Leihgabe, nur das Schlechte war einem auf ewig sicher." - Seite 117


Schon der Klappentext lässt eine spannende Abenteuergeschichte erwarten - und genau das ist Die goldene Stadt auch. Sabrina Janesch erzählt die Geschichte von Rudolph August Berns, der sich später Augusto Rodolfo Berns nennt - ein Deutscher, der sich in Peru auf die Suche nach Machu Picchu macht - die verlorene Stadt der Inka. Bevor es mit dem Roman losgeht, berichtet die Autorin ausführlich, wie sie auf die Idee zu diesem Buch kam, wie ihre Recherchen verlaufen sind und was genau auf historischen Fakten beruht. Dazu sind einige schwarz-weiß-Bilder abgebildet. Dieses ist sehr informativ und interessant zu lesen.
Die Handlung beginnt schließlich im Jahr 1942 - dem Geburtsjahr von Berns. Ausführlich und mit vielen kleinen, wichtigen Details wird hier dessen Lebensgeschichte erzählt - bis hin ins Erwachsenenalter. Der Schreibstil ist klar, schön detailreich und packt den Leser sehr schnell. Auch die vielen Schauplätze - ob verschiedene Orte in Deutschland und Amerika, oder auch in den peruanischen Anden- alle sind wunderbar beschrieben, man kann sich alles genau vorstellen. Auf Berns warten Niederlagen, Erfolge und in jedem Fall viele Abenteuer. Der gesamte Verlauf der Handlung ist unheimlich spannend zu verfolgen.
Auch wenn man nur wenig oder keine Vorkennisse der Thematik hat - alles Wissenswerte über die Inka und El Dorado wird sehr gut erklärt, besonders im oben erwähnten Vorwort der Autorin.
Das Cover ist schlicht und schön - sehr passend zu einer Abenteuergeschichte, die mitten im 19. Jahrhundert spielt.


"Glückseligkeit übermannte ihn. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er das unbestimmte Gefühl, dass die Dinge sich am rechten Platz befanden. Er war wirklich in Peru, und nichts konnte ihn jetzt noch daran hindern, sich vorbehaltlos und unwiderruflich diesem Land zu verschreiben." - Seite 161


Mein Fazit: Ein spannender, historischer Abenteuerroman, der mir unheimlich gut gefallen hat! Neben einer abenteuerlichen Handlung mit besonderen Charakteren gibt es wunderbare Schauplätze, die von der Autorin sehr detailreich beschrieben werden. Auch die Mischung aus historischem, abenteuerlichem und einer Lebensgeschichte ist gelungen und hat mir sehr gut gefallen. Ein besonderes Buch, bei dem man während des Lesens die Zeit vergisst. Sehr lesenswert! 

Meine Bewertung: 





Titel: Die goldene Stadt
Autorin: Sabrina Janesch
Genre: Historischer Abenteuerroman
Seitenanzahl: 544
Verlag: Rowohlt Berlin


Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar! :)

Dienstag, 15. August 2017

Rezension zu "Das Glück meines Bruders" von Stefan Ferdinand Etgeton

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Zwei Brüder und ihre Reise in die Vergangenheit

Im Sommer 2010 beschließen die Brüder Botho und Arno van Dijk zusammen mit Arnos Verlobte Anja eine Reise in das belgische Dorf Doel zu machen. Für die beiden Brüder ist es eine Reise in die Vergangenheit: In dem kleinen Dorf, das demnächst einem Hafenausbau weichen muss und inzwischen ein verlassener Ort ist, lebten ihre inzwischen verstorbenen Großeltern. Botho und Arno habe hier viele Sommer- und Winterferien in ihrer Kindheit und Jugend verbracht. Bevor das alte, verlassene Haus nun endgültig abgerissen wird, verbringen sie nochmal ein paar Tage dort. Die Erinnerungen an damals waren aber nicht immer idyllisch - das wird den beiden inzwischen erwachsenen Männern nun bewusster, als sie zunächst dachten...



"Ich liebte die baumbestandenen Straßen in einer endlosen Stadt, staunte über den vergangenen Reichtum, der sich manchmal noch in den verzierten Fabrikfassaden zeigte. Ich genoss es, mitten in der Nacht Currywurst zu essen. Ich spazierte auf den alten Halden." - (Botho über seinen aktuellen Wohnort Bochum, Seite 38)


Auf dieses Buch aufmerksam geworden bin ich durch die Inhaltsangabe, die von zwei Brüdern erzählt, von denen am Ende der Geschichte der gesündere eher der verlorene sein wird und der beschädigte sein Glück findet. Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass der Schreibstil sehr speziell ist - die Sätze sind sehr lang, in einem ganz außergewöhnlichen Ton und durch viele "und" und "oder" miteinander verbunden. Anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, doch es wird schnell klar, dass genau diese Schreibweise gut zum gesamten Stil des Romans passt. Und dieser hat viele Facetten: Eine Reise an einen Ort ihrer Kindheit wird für die beiden Brüder Botho und Arno eine emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle - vieles, was längst vergessen oder verdrängt war, bricht schmerzhaft wieder an die Oberfläche. Es wird mal bewegend, manchmal komisch und seltsam, aber auch berührend und melancholisch. Diese Stimmungen und die unterschiedlichen Atmosphären sind dem Autor sehr gelungen.
Doch ich muss auch sagen, dass mir die Charaktere trotz allem eher fremd geblieben sind, ich konnte manche Entscheidungen nicht wirklich nachvollziehen und sie wirkten auf mich oft eher wie Teenager, als wie Erwachsene. Mich konnte die Handlung daher nicht ganz erreichen, so wie es eigentlich hätte sein sollen.
Was sehr gelungen und hochwertig ist, ist die Buchgestaltung. Das Cover ist schlicht und in Grautönen gehalten, was sehr gut mit der dezenten, gelben und weißen Schrift harmonisiert.  Auch der Titel Das Glück meines Bruders passt perfekt zum Inhalt.


"Da war die Schaukel. Die Schaukel, die Kindern eine Idee von Grenzenlosigkeit geben kann, auf der man versuchen kann, zu entkommen und wegzufliegen in eine andere Galaxie, in eine neue Freiheit: Ein bisschen mehr Schwung, noch ein bisschen mehr Schwung, dann schafft man es." - Seite 72


Mein Fazit: Selten war ich mir bei einem Buch so unsicher, wie bei diesem. Es ist einerseits ein sehr gutes und anspruchsvolles Buch, doch mich persönlich konnte es nicht ganz erreichen. Die Charaktere und insbesondere deren Handlungen konnte ich nicht immer nachvollziehen, der Schreibstil war mir mitunter etwas zu anstrengend. Doch auch wenn es mich nur teilweise angesprochen hat, so ist es dennoch ein hochwertiger Roman, der mit Sicherheit viele andere Leser begeistern wird. 

Meine Bewertung: 





Titel: Das Glück meines Bruders
Autor: Stefan Ferdinand Etgeton
Genre: Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 240
Verlag: C.H. Beck



Vielen Dank an den C.H. Beck-Verlag für das Rezensionsexemplar! :)

Gemeinsam Lesen #119

Die Aktion findet ihr jeden Dienstag bei Schlunzen-Bücher.


1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade "Das Glück meines Bruders" von Stefan Ferdinand Etgeton und bin auf Seite 191 von 240.


2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
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"Diese Angst feierte zwar nicht mit, in den Kneipen und im Klub war sie für ein paar Stunden vergessen, aber spätestens um sieben in der Frühe setzte sie sich im Imbiss oder beim Bäcker wieder neben mich und sah mich vorwurfsvoll an."


3. Was willst du unbedingt zu deinem Buch loswerden?

Bei diesem Buch bin ich nun auf den letzten 50 Seiten und bin mir noch völlg unsicher, ob es mir gefällt. Die Geschichte um zwei Brüder, die durch eine Reise an einen Ort ihrer Kindheit nochmal viel Vergangenes durchleben, ist schon lesenswert, doch mich persönlich konnte die Geschichte und speziell die Charaktere bisher noch nicht ganz erreichen. Um mehr zu sagen, muss ich es erst zuende lesen. Es bleibt also spannend - auch für mich, denn so unsicher kurzm vorm Schluss bin ich selten.

 
4. Gibt es Rezensionen von dir, bei denen sich deine Meinung mittlerweile verändert hat, und die du am liebsten völlig umschreiben würdest?

Da fällt mir spontan gerade kein bestimmtes Buch ein. Was mir wohl auffällt, wenn ich ältere Rezesnionen von mir lese: Sie waren, als ich angefangen habe zu rezensieren, sehr kurz. Heute gestalte ich sie etwas ausführlicher. Doch im Nachhinein verändere ich diese Rezensionen, die zum Teil schon 5-6 Jahre alt sind, nicht. Ich würde allerdings bei einem re-read nochmal eine komplett neue und ausführlichere Rezension schreiben, wie ich es auch bei Stephen King's "The Stand" gemacht habe. Die Meinung zu dem Buch ist übrigens gleich geblieben. :-)



Montag, 14. August 2017

Montagsfrage #101

Die Montagsfrage gibt es jede Woche bei Buchfresserchen.
Die Frage in dieser Woche:


Welche Bücher hast du zuletzt aussortiert?


Ich habe vor kurzen erst einige Bücher aussortiert und dem Bücherschrank gespendet. Die letzten Bücher, die ich aussortiert habe, habe ich vor mehreren Jahren mal als Mängelexemplare gekauft und irgendwie nie gelesen. Das waren:

Masken von Mara Lang

Der Außenseiter von Minette Walters

Kalter Mond von Giles Blunt

Da diese drei Bücher schon ewig auf dem SuB lagen und ich festegestellt habe, dass ich sie wahrscheinlich nie lesen werde, habe ich sie aussortiert. Gleichzeitig habe ich so ja auch Platz für neue Bücher geschaffen. ;-)


Samstag, 12. August 2017

Rezension zu "Ein angesehener Mann" von Abir Mukherjee

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Sam Wyndhams erster Fall

Kalkutta im Jahr 1919: Gerade erst aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt, reist Captain Sam Wyndham von London nach Kalkutta, um dort als Ermittler tätig zu werden. Vieles ist noch ungewohnt für ihn - die tropische Hitze, schlammige Straßen und heruntergekommene Kolonialbauten  - hinzu kommt noch die große Unruhe und die zerrissene Bevölkerung, die zwischen alten Traditionen und der neuen Ordnung der britischen Besatzung steht.
Schon bald wartet ein Mordfall auf ihn, der ihn vor einige Rätsel stellt - schnell wird klar, dass der Tote zu den höheren Kreisen der britischen Gesellschaft gehörte. Seine Ermittlungen führen Sam und seine Kollegen schließlich in die Unterwelt Kalkuttas, wo sie auf noch größere Geheimnisse stoßen...


"Immerhin war er gut angezogen. Schwarze Fliege, Smoking, das ganze Programm. Wenn man schon umgebracht wurde, konnte man sich dafür auch richtig in Schale werfen." - Seite 9


...schon der erste Satz lässt einen spannenden Fall erahnen, der sofort einige Fragen aufwirft: Ein britischer Beamter, der tot in einer düsteren Gasse in Black Town gefunden wird - jenem riesigen Viertel Kalkuttas, in dem nur die indische Bevölkerung lebt. Dieser Mordfall ist zugleich Sam Wyndhams erster Fall in Indien, der größer und verstrickter ist, als er zunächst ahnt...
"Ein angesehener Mann" ist ein Krimi der besonderen Art - er spielt Anfang der 1920er Jahre in Kalkutta, dessen unruhige Atmosphäre der Autor perfekt wiedergibt. Nicht nur die Schauplätze, die hier detailreich beschrieben werden und den Leser hier quer durch Kalkutta führen, sondern auch die Charaktere kommen sehr gut zur Geltung. Der Kriminalroman ist in der Ich-Perspektive von Sam Wyndham geschrieben, den man nach und nach besser kennen lernt und so auch erfährt, was ihn nach Indien geführt und mit welchen persönlichen Problemen er zu kämpfen hat.
Die Handlung ist atmosphärisch sehr dicht, man sollte sich etwas Zeit nehmen für dieses Buch - nicht nur der Mordfall und Sams Privatleben spielen hier eine Rolle, sondern auch die politischen Unruhen im Land. Der Autor schildert hier verständlich die historischen Hintergründe vom damaligen British-Indien. Eine gute Hilfestellung ist auch die Karte vorn im Buch, die alle wichtigen Handlungsorte in Kalkutta markiert. Auch das Cover ist sehr gelungen - es passt zu diesem besonderen Roman.
Anfangs habe ich erst etwas gebraucht, um mich einzulesen - in der ersten Hälfte zieht sich die Geschichte an manchen Stellen etwas. Doch dafür hat mir die zweite Hälfte umso besser gefallen, denn da kommt es schließlich zu interessanten Entwicklungen, mit denen niemand gerechnet hat.


"Ich drehte mich im Kreis. Keine der Möglichkeiten ergab viel Sinn. Mein erster Fall in Kalkutta nahm jedenfalls keinen besonders vielversprechenden Anfang. Im gegenteil, er schien zu den Sonderbarsten zu gehören, mit denen ich es je zu tun hatte." - Seite 54


Mein Fazit: Ein außergewöhnlicher und sehr guter Kriminalroman! Atmosphärisch dicht und mit besonderen Schauplätzen überrascht das Buch - es gibt interessante und unvorhersehbare Wendungen, besonders zum Ende hin. Ein Buch, das man in Ruhe lesen sollte, da es viele Details enthält und man einiges über die historischen Hintergründe erfährt. Doch es lohnt sich! Einen halben Stern ziehe ich ab, da es anfangs ein paar Längen gibt, doch insgesamt  ist es ein sehr gelungener historischer Krimi! 

Meine Bewertung: 





Titel: Ein angesehener Mann - Sam Wyndham 1
Autor: Abir Mukherjee
Genre: Historischer Krimi
Seitenanzahl: 512
Verlag: Heyne